Nachdem meine low-cost-Eigenbau-Solaranlage nun schon seit über
einem
Jahr läuft, ist es Zeit für ein erstes Fazit, eine kurze
Beschreibung der Anlage und eine Erklärung, warum meine Anlage
ausgerechnet so aussieht.
Zuerst möchte ich die am meisten gestellten Fragen beantworten.
Auf dem Dach habe ich 4,9 m² Röhrenkollektoren (Heat-Pipes)
montiert, alles zusammen hat mich 1.100 € gekostet, die
BAFA-Förderung von 410 € ist dabei schon berücksichtigt.
Auf die Antwort, dass ich Röhrenkollektoren montiert habe folgt
oft der Nachsatz, dass diese ja leistungsfähiger seien. Dies
stimmt nur zum Teil, je nachdem aus welcher Sicht man es sieht. Daher
etwas grundsätzliches über die Eigenschaften von Röhren-
und Flachkollektoren:
Zuerst zwei wichtige Begriffe: Bei den Kollektoren wird immer die
Bruttofläche angegeben, getreu dem Motto, dass mehr besser ist.
Die strahlungsaufnehmende Fläche, und nur dort wird die Wärme
erzeugt, wird Apertur genannt. Bei den Röhrenkollektoren ist dies
der Außendurchmesser der Röhren, bei den Flachkollektoren
die Abmessungen innerhalb des Rahmens. Daher kommt es, dass
Röhrenkollektoren im Schnitt etwa 60 % Nettofläche haben,
Flachkollektoren hingegen etwa 90 %. Somit bekommt man mit
Flachkollektoren auf der gleichen Fläche etwa 50 % mehr aktive
Aperturfläche unter.
Die veröffentlichten Testergebnisse, z. B. vom
Fraunhofer-Institut oder dem TÜV, werden alle auf die
Aperturfläche bezogen.
Die Röhren schneiden dabei aber nicht so viel besser ab, dass der
Nachteil durch die geringere Fläche auch nur ansatzweise
ausgeglichen wird. Diese Aussage gilt nicht für die sogenannten
CPC-Kollektoren und den U-Pipes. Bei ersteren ist unter den Röhren
ein gebogener
Reflektor angebracht, der auch zur Aperturfläche zählt, so
dass ein Teil der Strahlung, der an der
Röhre vorbei geht, wieder zu dieser reflektiert wird. Bei den
U-Pipes befindet sich in der Röhre ein U-förmiges Rohr, das
direkt durchströmt wird. Es wird also nicht ein Kältemittel
verdampft wie bei den heat-pipes, sonder die Wärme direkt an das
Wärmeträgermedium abgegeben.
So einfach ist die pauschale Aussage widerlegt, dass bei wenig Platz
auf dem Dach
Röhrenkollektoren einzusetzen sind.
Röhrenkollektoren sind besser gedämmt als Flachkollektoren,
da der Absorber in einer doppelwandigen, evakuierten Glasröhre
steckt, ähnlich einer Thermoskanne.
Der Vorteil ist natürlich ein geringerer Wärmeverlust im
Sommer wie im Winter, aber
falls Schnee auf den Kollektoren liegt, taut dieser dafür
auch langsamer wieder ab. Nachdem mein Dach ohne weiteres begehbar ist,
habe
ich im Winter wenige Male mit einem Besen nachgeholfen.
Heat-pipes kommen i. d. R. in Einzelteilen an,
Flachkollektoren dagegen grundsätzlich nur im Ganzen. Ein klares
Plus für die Röhren, wenn man als Selberschrauber keinen
Autokran zur Hand hat.
Bei den Preisen gibt es folgende Tendenz: Markenkollektoren sind oft
unangemessen teuer, No-name Produkte entsprechend preisgünstiger
und viele davon kommen trotzdem aus der gleichen Fabrik, was viele
Hersteller natürlich abstreiten. Daher ist es unsinnig
abwertend über China-Kollektoren zu urteilen. China ist mit
Abstand der weltweit größte Produzent von Röhren und
diese werden im eigenen Land anteilig sogar häufiger eingesetzt
als bei
uns. Ein Blick in die BAFA-Liste (als es die noch gab) und die
entsprechenden Prüfergebnisse der Institute belegt, dass ein
großer Teil aller zugelassenen Kollektoren eindeutig allein auf
Grund des
Namens dem asiatischen Raum zuzuordnen sind. Auch meine Kollektoren
stammen aus China.
Weil wir gerade bei den Preisen sind: Ich habe die Solaranlage nicht in
erster Linie aus wirtschaftlichen Überlegungen, sondern aus
ökologischen und grundsätzlichen Beweg- und
Überzeugungsgründen angeschafft. Aus meiner Sicht verstehe
ich die ständige Fragerei nach der Wirtschaftlichkeit von vielen
Leuten nicht. All zu oft wird viel Geld in andere Dinge gesteckt, so
dass für erneuerbare Energien nichts mehr übrig bleibt. Mein
beliebtestes Beispiel sind Alu-Felgen für`s Auto, die edle
Ledercouch oder eine Enbauküche für 50.000 €. Kosten nur,
sind schön anzusehen und sparen leider keine einzige kWh. Mit
Solarthermie ist das anders und es wird zudem ein positives Zeichen
gesetzt.
Gerade jetzt, wo im Golf von Mexico eine nicht versiegen
wollende Quelle Unmengen an Erdöl ausgegossen hat , ist es Zeit
auf die
Kraft der Sonne zu setzen. Auch wenn der Unglücksort nicht
vor unserer Haustüre liegt, so trägt auch unser
Energieverbrauch dazu bei, dass immer gefährlichere
Ölvorkommen erschlossen werden und durch profitgierige Unternehmen
unter Missachtung der möglichen Sicherheitsvorkehrungen
ausgebeutet werden, unterstützt oder zumindest nicht verhindert
durch eine von Lobbyisten durchsetzte Politik.
Durch meine Anlage rechne ich mit einer Einsparung von etwa 150 Liter
Heizöl pro Jahr. Ausgehend von einem tagesaktuellen Preis von 65
ct. je Liter, einer Preissteigerung von nur 5 % p. a. hat sich mein
finanzieller Aufwand nach 9 Jahren gelohnt, ohne dass mögliche
Kapitalerträge angerechnet wurden. Bei einer eher realistischen
Preissteigerung von 10 % erreiche ich diesen Punkt schon nach 7 Jahren.
Beides sind überschaubare Zeiträume, bei denen man von einer
wirtschaftlich sinnvollen Entscheidung sprechen kann.
150 Liter pro Jahr sind nicht besonders viel, bezogen auf den durch die
vorangegangenen Maßnahmen bereits um fast 50 % reduzierten
Bedarf,
entspricht das immerhin etwa 8 % des verbleibenden
Jahres-Brennstoffverbrauches. Die Einsparung an der Anlagentechnik
durch geringeren Verschleiß durch etwa 200 weniger Starts
könnte man noch mit einrechnen.
Tatsächlich wurden im ersten Jahr lediglich etwa 100 Liter
eingespart. Schuld daran ist die Sonne auf zweierlei Arten: In den
vergangenen 12 Monaten (Juli 2009 bis Juni 2010) hatten wir 170 Stunden
weniger Sonne als im
Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Das entspricht fast 10 % der
Jahresstunden. Besonders schlecht waren der Januar 2010 mit minus 60 %,
der Mai 2010 mit minus 49 % und der Juni 2010 mit minus 20 %., was zwar
nicht ganz so schlimm klingt, aber es waren immerhin 8 Tage
gänzlich ohne Sonne. Als Folge
davon fiel nicht nur die Ernte über die Solaranlage geringer aus,
sondern auch die passiven solaren Wärmegewinnen fehlten dem Haus
in
nennenswertem Umfang und mussten über die Heizung kompensiert
werden.
An mein Anlagenkonzept stellte ich den Anspruch, dass es möglichst
kostengünstig und erweiterbar für einen größeren
Anteil an Heizungsunterstützung sein sollte. Einer der Bausteine
war, dass ich auf einen eigenen Solekreislauf verzichten wollte, um den
erst 3 Jahre alten Warmwasserspeicher mit nur einem Wärmetauscher
weiter verwenden zu können. Folglich arbeitet die Anlage mit
Heizungswasser. Dadurch wurde neben dem Solarspeicher auch die
Solarpumpe und die Solarflüssigkeit eingespart.
Wegen des Betriebes mit Heizungswasser muss eine aktive
Frostschutzlösung erfolgen. Die Geometrie des Hauses
ermöglichte eine Leitungsverlegung bis unmittelbar zu den
Kollektoren im warmen Bereich. Auf der Vorlaufseite geht es sofort
wieder in das Haus, der Rücklauf ist hinter dem Kollektor
geführt und nur um etwa 2,5 bis 3 Meter länger. Somit konnte
die im Freien befindliche Wassermenge minimiert werden. Der Kollektor
selbst hat den wasserführenden Teil nur im Sammler, der bestens
gedämmt ist.
Wird am Vorlauffühler eine bestimmte Temperatur unterschritten
(im letzten Winter waren + 2 °C eingestellt) startet die Pumpe und
schaltet bei 4 °C wieder ab. Wegen der Trägheit des
Kollektorfühlers
werden aber tatsächlich ca. 10 °C erreicht. Dass hier nicht
mit Unmengen von Energie der Kollektor frostfrei gehalten wird, ist
messtechnisch leicht zu kontrollieren. Am kältesten Tag des
Winters mit einer Durchschnittstemperatur von minus 10,5 °C, dem
19.12.2009, wurden nur 0,3 kWh Energie aufgewendet. Die Kosten
hierfür betragen lediglich 2 ct.
Das nachfolgende Diagramm zeigt
den Verlauf der Außentemperatur (die unterste Linie), die
Kollektortemperatur (in der Mitte, jeder
Zacken entspricht einer Frostfreihaltung) sowie die Strahlung (in 10
W/m²). Man
erkennt daran, dass tagsüber die natürliche Strahlung
ausreichte um frostfrei zu bleiben. Dieser Effekt tritt auch bei
weniger Strahlung ein.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass ein gewisses Restrisiko
besteht. Es könnte der Strom ausfallen (im Landkreis München
herrscht jedoch eine fast 100 %ige Versorgungssicherheit), die Pumpe
könnte kaputt gehen oder die Regelung versagen. Wenn dann wirklich
das Wasser gefrieren sollte, wird es sich ausdehnen. Als
Sollbruchstelle für den Fall der Fälle wird von einem
Systemhersteller die Verschraubung des Wellrohres genannt. Das ist
für mich plausibel und nachvollziehbar.
Der Stromverbrauch der Anlage hält sich absolut in Grenzen.
Dieser beträgt durch
die drehzahlvariable
Ansteuerung der Solarpumpe im Hochsommer bei ausschließlicher
Warmwasserbereitung über die Solaranlage lediglich 15 kWh pro
Monat. Dies sind nur 3 € an
Stromkosten.
Die Funktion der Anlage entnimmt man am besten dem Schema, das den
Live-Daten hinterlegt ist. Die vorhandene Ladeleitung für den
WW-Speicher wurde aufgetrennt und ein Umschaltventil eingesetzt. Steht
eine ausreichend hohe Temperatur am Kollektor an, wird das
Heizungswasser über diesen in den Speicher gepumpt. Der
Rücklauf geht über den Kessel wieder zur Pumpe. Durch diese
Variante wurde nicht nur ein eigener Kollektorkreis eingespart, die
Pumpe hat eine Doppelfunktion als Warmwasserlade- und Solarpumpe.
Das Umschaltventil an der Saugseite der Pumpe ist eine Option für
die Kesselumgehung, aber noch nicht vorhanden. Es stellte sich heraus,
dass durch den großen Wasserinhalt des Kessels der
Rücklauftemperaturanstieg mit einer Stunde Zeitverzögerung
nachhinkt. Kann der Kessel umgangen werden, erwärmt sich der
Solarkreis entsprechend schneller, was besonders an Tagen mit nur wenig
Sonne hilfreich sein könnte. Leider sind die
Platzverhältnisse sehr beengt, so dass ich den Aufwand bisher
scheue.
Dadurch dass der Rücklauf des WW-Speichers in den Kessel
geführt wird, ist eine Heizungsunterstützung für die
Übergangszeit gegeben. An einem schönen Frühlings- bzw.
Herbsttag erreicht der Kessel Temperaturen von weit mehr als 50 °C,
so dass der erste Brennerstart eingespart wird.
Mit der Solaranlage wird aber nicht nur Heizöl eingespart, sondern
auch Strom. Bei uns sind die Wasch- und die Geschirrspülmaschine
an das warme Wasser angeschlossen, so dass wir nun beim
Geschirrspüler 1/3 und bei der Waschmaschine sogar 2/3 der
elektrischen Energie einsparen.
Als Fazit kann geagt werden, dass ich die Anlage jederzeit wieder so
bauen würde. Lediglich das senkrechte Edelstahlwellrohr im Kamin
würde ich wahrscheinlich durch ein starres Rohr ersetzen.
Besonders begeistert bin ich von der Regelung mit der
Datenloggerfunktion. Nur wenn man weis, wie sich die Anlage
verhält ist eine echte Optimierung möglich.